Die Zeit nach 1950
Belegten 1882 die Geleiseanlagen im Bahnhof Erstfeld 32’700 m² Boden, so waren es 1957 bereits 80’000 m².
Durch die Inbetriebnahme des neuen Integra Spurplan-Stellwerkes am 7. Mai 1973 erfolgte eine weitere grosse Umgestaltung des Bahnhofsareals in Erstfeld.
Dieses neue Stellwerk wurde mit einem Kostenaufwand von 5 Millionen Franken erbaut.
Die neue voll isolierte Anlage mit dem Wechselbetrieb Seite Amsteg gestattete dem Fahrdienstleiter gleichzeitige Ein- und/oder Ausfahrten sowie Manöver-Zirkulationen, wie sie vorher vielfach nicht möglich waren.
Der Beamte am Stelltisch dirigiert den Betriebsablauf im Bahnhof mit total 274 Tasten über 74 Weichen in 26 Geleisen. Er richtet die Fahr- bzw. Haltbefehle mit 81 Zwerg- und 22 Hauptsignalen direkt an das Lok- bzw. Rangierpersonal.
Anfang der 70er Jahre lösten die Re 4/4 III die letzten verbliebenen alten Maschinen ab, und als ab 1972 die Re 6/6 in Dienst gestellt wurden, wurden diese mit den Re 4/4 III zu den vorerst wichtigsten Loktypen am Gotthard.
2x Re 6/6, Re 4/4 und Re 460 vor dem Depot |
Re 6/6, Re 482 und Ae 6/6 vor dem Depot |
Mit dem Erscheinen der Re 460 sollten diese den Betrieb am Gotthard weiter verstärken.
Auf Grund der inzwischen erfolgten Aufteilung der SBB in Divisionen und der dadurch erfolgten Neuverteilung der Maschinentypen, verschwanden diese langsam wieder aus dem Bereich Cargo.
Sie wurden ersetzt durch Re 6/6, welche aus der Division Personenverkehr zu SBB-Cargo umgeteilt wurden. Ergänzt wurde der Fahrzeugpark von SBB-Cargo durch die vorerst letzte Serie, die Re 482.
Am Sonntag, 22. März 1987, geriet um 7.30 Uhr der hölzerne Dachstuhl der grossen Remisenhalle in Brand. Der Lichtbogen eines Kurzschlusses auf dem Dache einer remisierten Lokomotive war die Ursache. Der Dachstuhl brannte dabei fast gänzlich aus und musste erneuert werden.
Die brennende Depotremise 1987 |
Das trostlose Bild am nächsten Tag |
Am 27. Februar 1990 wütete ein starker Sturm im Urnerland. Durch die orkanartigen Böen wurde am frühen Abend eine Ziegelklammer auf dem Dach der grossen Remisenhalle losgerissen und auf die Fahrleitung geschleudert. Der dabei entstehende Lichtbogen setzte erneut das Dachgebälk in Brand.
Trotz Grosseinsatzes der Feuerwehren brannte die grosse Remisenhalle und ein Teil der alten Gotthardbahnremise vollständig aus.
Die brennende Remisenhalle in der Nacht vom 27. Februar 1990 |
Die Remisenhalle und ein Teil der alten Gotthardbahn-Remise brannten völlig aus. |
Im Frühjahr 1992 begann die vorerst jüngste und letzte Ausbauphase im Bahnhof Erstfeld.
In Hinblick auf eine spätere Fernsteuerung erfolgte ein grösserer Umbau des Bahnhofs mit dem Einbau eines Zwischenperrons.
Im Bereiche der Geleiseanlage wurden gleichzeitig verschiedene Veränderungen und Anpassungen vorgenommen. Auf der Seite Altdorf wurde nun ebenfalls auf Wechselbetrieb umgestellt.
Auch die Aufgaben des Betriebes hatten sich in der Zwischenzeit verändert.
Bis Anfang der 90er Jahre war die Aufgabe des Depots, die Lokomotiven für den Vorspann- oder Zwischendienst am Berg zu stellen.
Eine Ae 4/6 macht einer Ae 6/6 mit einem Zementzug Vorspanndienst |
Eine Re 6/6 in Doppeltraktion mit einer Re 4/4 III als Zwischenloks in einem Güterzug |
Re 460 hat sich in Erstfeld als Schiebelok hinter einen Güterzug gesetzt
Dies änderte sich mit dem Auftauchen der Ganzzüge im Wagenladungsverkehr.
Nun wurde der seit der Dampfzeit nicht mehr angewandte Schiebedienst wieder gestattet.
Auch die Fernsteuerung von unbemannten Lokomotiven wurde geprüft.
Auf Grund der Umstellung auf den Wagenladungsverkehr fielen im Laufe der 90-er Jahre auch die Rangierarbeiten im Bahnhof weg.
Dadurch gingen in Erstfeld eine grosse Anzahl Arbeitsplätze verloren.
Bei der Divisionalisierung der SBB wurde das Lokomotiv-Depot Erstfeld und seine Lokführer der Division SBB-Cargo zugeteilt.
Re 6/6 und Re 460 im wieder verlassenen Cargo-Design in der Farbe "mint". |
Re 620 060 (Re 6/6) im neuen Cargo-Design mit ihrer Partnerin Re 4/4 III vor dem Depot Erstfeld |
Im Jahre 2004 erklärte SBB-Cargo offiziell, dass sie das Depot Erstfeld als Standort für das Lok-Peronal in absehbarer Zeit nicht mehr benötigt werde, da in Zukunft das Depot Goldau diese Funktion übernehmen werde.
Der Grund für diese Massnahme liegt laut SBB in der Arbeitszeit der Lokomotivführer.
Lokführer, welche ihren Dienst in Deutschland (Köln) begonnen haben, könnten das Depot Erstfeld nur im Idealfall innert der erlaubten Arbeitszeit erreichen.
Bis Goldau reicht die Zeit auch bei moderaten Verspätungen normalerweise aus.
Im Jahre 2002 war von den SBB das Depot Erstfeld als zukünftiges Depot von SBB-Historic und somit als Aussenstation des Verkehrshauses in Luzern benannt worden. Nach der Betriebsaufnahme der NEAT, soll das Depot diese Funktion aufnehmen.
Auch der Bahnhof Erstfeld wird zu diesem Zeitpunkt seine Bedeutung verlieren und lediglich noch Haltepunkt für die dannzumal noch über die Bergstrecke verkehrenden Schnellzüge sein.