Der durchgehende Betrieb
Für die 1882 eröffneten Rampen am Gotthard und am Ceneri brauchte die GB schwerere Maschinen zur Beförderung der Güterzüge. Sie entschied sich für den auf vier Achsen erweiterten Typ Bourbonnais. Dieser Maschinentyp D 4/4 wurde trotz der Nachteile des langen, starren Radstandes und des grossen Überhanges zusammen mit den D 3/3 zu ersten Einheitstypen der GB.
Schwere Personenzugmaschine der Serie D 3/3 vor dem Depot in Biasca |
Schwere Güterzugmaschine der Serie D 4/4 bei der nördlichen Drehscheibe im Depot Erstfeld |
Gemischtzuglokomotive Ec 3/4 Nr. 189
Für den leichten Personenzugdienst auf den Rampen beschaffte die GB 12 Stück Mogul-Tendermaschinen Ec 3/4 Nr. 181 - 192.
Diese Tender-Maschinen wurden vorwiegend von Bellinzona aus am Monte Ceneri eingesetzt.
Bereits in den ersten Jahren des Betriebes auf der Bergstrecke übertraf das Transportvolumen der Gotthardbahn sowohl im Personen- wie im Güterverkehr jegliche Prognosen.
Diagramm der Entwicklung der Transportmengen vom 1. Juni 1882 - 31. Dezember 1908
Eine D 4/4 schiebt hinter einem schweren Güterzug.
Die Aufnahme entstand beim Wärterhaus vor dem Strahllochtunnel oberhalb von Wassen.
Deshalb mussten sämtliche Güterzüge auf den Rampen Erstfeld - Göschenen und Biasca - Airolo mit drei Dampfmaschinen befördert werden. Dasselbe galt für die Rampen am Monte Ceneri.
Gezogen wurden die Züge von einer D 4/4 mit einer D 3/3 als Vorspann, hinten wurde jeweils mit einer D 3/3 oder D 4/4 geschoben.
In dieser Bespannung beförderte die GB Züge mit 500 t Gewicht bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h die Rampen hinauf.
Die Fotografie mit der Schiebelok lässt erahnen, wie schwer der Dienst für Lokführer und Heizer auf den Gotthardmaschinen gewesen sein muss.
Bis zu 4 t Kohle schaufelte ein Heizer zwischen Erstfeld und Göschenen in die Feuerbüchse seiner Maschine.
Die Mitgliedertafel des Vereins der Lokomotiv-Heizer von 1893
Lokomotivführer, Heizer und Personal des Depots Erstfeld posieren stolz vor einer A 3/5 SLM
Oftmals waren dann Lokführer und Heizer der Schiebelok dem Erstickungstod nahe.
Nicht von ungefähr ist deshalb ein eigen(artig)er Menschenschlag entstanden:
das Maschinenpersonal am Gotthard.
Als erste Lokomotive für die Schweiz nach dem Duplex-System des Schweizers Anatol Mallet, lieferte 1890 die Firma Maffei in München eine 87 t schwere Tendermaschine. Sie sollte bei gleichem Dienstgewicht dieselbe Leistung vollbringen wie eine D 4/4, wobei der Brennstoffverbrauch geringer sein sollte.
Tendermaschine Ed 2 x 3/3 bei der Schiebebühne des Depots Erstfeld
Dem wachsenden Verkehr und dem Bedürfnis nach Verkürzung der Fahrzeit Rechnung tragend, ging die Gotthardbahn an die Beschaffung einer starken Lokomotive, die ohne Wechsel grössere Strecken durchlaufen konnte.
Man entschied sich für die Achsfolge 2C, also für zwei Lauf- und drei Triebachsen.
Im Jahre 1894 kamen die Versuchsmaschinen Nr. 201 - 202 von der SLM Winterthur zur Ablieferung.
Bereits 1897 baute die SLM dann eine erste Serie von 8 Maschinen, der bis 1905 noch weitere 20 Maschinen folgten.
Schnellzugmaschine A 3/5 der SLM vor dem Depotgebäude in Erstfeld
Eine A 3/5 der SLM fährt mit einem Schnellzug in Göschenen in den Gotthardtunnel ein.
Die mögliche Zughakenbelastung, ohne zu schieben, betrug damals 320 t.
Die A 3/5 Maschinen vermochten mit Vorspann jedoch lediglich 280 t zu befördern, so dass auch hier eine dritte Maschine nachschieben musste.