Die Geschichte der Gotthardbahn

Der Gotthard-Express

Die vierachsigen Wagen mit den Faltenbälgen waren für den Einsatz in internationalen Zügen beschafft worden.
Diese beschleunigten Schnellzüge mit höherem Fahrkomfort wurden vermarktet unter dem Namen "Gotthard-Express".
Sie liefen von Basel nach Mailand durch und führten neben den Wagen der GB auch internationale Schlafwagen mit.
Halte gab es lediglich in Luzern, Arth-Goldau, Erstfeld, Göschenen, Airolo, Biasca, Bellinzona, Lugano und Chiasso.
Wobei die Halte in Erstfeld, Göschenen, Airolo und Biasca eigentliche Diensthalte waren, um die Vorspann-Loks bei- oder wegzustellen.
In Göschenen allerdings diente der Halt des von Basel kommenden Mittagszuges zusätzlich der Verpflegung der Fahrgäste.

Siehe auch "Göschenen - 3 Minuten Aufenthalt" in der Rubrik "Storys"
Gotthard-Express

Zuglok A 3/5 und die Vorspannlok C 4/5 (beide Maffei) sind mit dem Gotthard-Express in Göschenen eingefahren. Hinter den Loks ist ein Postwagen Z mit Seitengang eingereiht.

Ein Frage steht im Zusammenhang mit dem Gotthard-Express immer wieder im Raum:
Welche Farbe hatten die Wagen des Gotthard-Express?

Gotthard-Express

Der Gotthard-Express auf der Göschneralpreuss-Brücke.
Colorierte Postkarte mit braun eingefärbtem FZ4ü.

Einerseits nennen schriftliche zeitgenössische Beschreibungen die Farbe "Marron", und kolorierte Postkarten zeigen, zumindest teilweise, im Gotthard-Express braune Wagen. Ebenfalls soll ein Ölgemälde in einem Gasthaus in Goldau einen vollständig braunen Zug zeigen. Ich konnte dieses Bild leider bis heute nicht finden.

Die Bestellung der Gotthardbahn nennt als Farbe "Blau". In anderen Akten wird die Farbe "dunkelblau" genannt. (wohl ähnlich CIWLT)

Dies dürfte auch die tatsächliche Auslieferungsfarbe gewesen sein, denn die braune Farbgebung hätte in krassem Gegensatz zu den Vorschriften für die Anfertigung und Lieferung von Personenwagen aus dem Jahr 1902 gestanden, welche für derartige Wagen dunkelblau vorschrieben.
Auch gibt es Augenzeugenberichte die besagen, dass der damalige dunkelblaue Anstrich und im besondern die in der Mitte der Längsseiten der Wagen in Goldfarbe kunstvoll ausgeführten grossen Initialen "GB" besonders auffielen.

Inzwischen wurde diese Frage eindeutig wissenschaftlich geklärt.
Die Farbe war blau.
Der braune Farbton ist insofern nicht falsch, als die eine der zwei Blau-Komponenten der Wagenfarbe, auf Grund des schwefelhaltigen Rauches der Dampfloks, ihren Blauanteil verlor, was zu einer Verfärbing in Richtung Marron (dunkles Violett) führte.

Bei den SBB wurde dann die grüne Farbe zur Norm erklärt, und die Gotthardbahn musste sich schon im Jahre 1906 zu einer entsprechenden Änderung der Lieferungsvorschriften entschliessen.
Auch das verschnörkelte "Signet" scheint bei den SBB Anstoss erregt zu haben und wurde nachträglich durch die nüchtern wirkende Anschrift GOTTHARDBAHN ersetzt.

Überhaupt scheinen die SBB mit den Gotthardbahn-Vierachsern "ein Problem" gehabt zu haben. Wie sonst erklärt sich deren relativ schnelle "Entsorgung" der Wagen?