Tunnelportale auf der Modellbahn

Die Normalien der Gotthardbahn

Wie oben bereits erwähnt, können wir uns für den Modellbau aus den Planvorlagen -den Normalien- der Bahngesellschaften viele notwendige Informationen beschaffen.
Um noch eine einigermassen vernünftige Grösse wählen zu können, habe ich diese Normalien in eine separate Seite ausgelagert.
Tunnel-Normalien der Gotthardbahn

Der Einsatz von Industrieprodukten

Über den Einsatz von kompletten lndustrie-Produkten möchte ich mich kurz fassen, da sonst eine Auflistung und Würdigung aller auf dem Markt erhältlichen Produkte unumgänglich wäre.
Unbehandelt einsetzbar sind sie meiner Meinung nach fast alle nicht.
Alle Modelle, vor allem aber die Industrieprodukte, sind unter folgenden Kriterien zu betrachten:

Industrieprodukte als Basismaterial

Beim Einsatz von industriell hergestellten Bausätzen und Materialien muss ein Grundsatz immer berücksichtigt werden:
Egal, welches Produkt und Material benützt wird,
Es sollten niemals Platten Stoss an Stoss und Ecke auf Ecke ohne weitere Bearbeitung zusammengefügt werden.
  Da uns leider von der Industrie fast ausnahmslos nur kleinflächige Mauerplatten angeboten werden, zwingt uns dies zu einer zusätzlichen Mehrarbeit.
Bei allen Ecken und Verlängerungen müssen die Stösse unsichtbar gemacht werden.
Aus diesem Grunde benutze ich bei Industrieprodukten als Basismaterial ausschliesslich die Plastik-Mauerplatten Nr. 4121 von Kibri.
Bei allen Stössen und Ecken fülle ich beidseits der Kante auf einer Breite von zwei bis drei Steinen die Fugen mit weissem Plastikspachtel von Simprop (Best.-Nr.1106155) auf.
Bei äusseren Ecken hinterfülle ich zusätzlich die Innenkanten. Nach dem Austrocknen des Spachtels stelle ich mit der Kleinbohrmaschine und kleinen Fräsern eine neue Steinstruktur her, welche den ehemaligen Stoss kaschiert.
Dabei müssen bei Aussenecken die Steine unbedingt um die Ecke herum modelliert werden.

Die Herstellung von Tunnelportalen

Für die Herstellung mehrteiliger Tunnelportale benutze ich als Basismaterial die Portale Nr. 565 (zweigleisig) und Nr. 563 (eingleisig) von Faller. Die Abmessungen dieser Portale sind in der Höhe ein Kompromiss.
Die folgenden Angaben beziehen sich immer auf Geleise mit Oberleitung. Bei Geleisen für reinen Dampfbetrieb sollten die Angaben entsprechend korrigiert werden.
Wenn die Gleise direkt auf das Grundbrett verlegt werden, müssen die Portale unten um 1,5 cm gekürzt werden. (Bei Geleisen mit erhöhtem Schotterbett entsprechend weniger.)
Das Portalprofil entspricht dann ziemlich genau den erweiterten Vorbildmassen. Wer Gleise mit Gleiskörper (Märklin M, neues Roco, Conrad etc.) oder sonst einem erhöhten Schotterbett benützt, der muss die entsprechende Höhe dazugeben (d.h. von den 1,5 cm abziehen!) und dann entsprechend kürzen. Beim zweigleisigen Portal ist die Steinstruktur sehr gut getroffen und passt ausgezeichnet zur oben angeführten Mauerplatte von Kibri.
Beim eingleisigen Portal verwendet Falter allerdings eine völlig andere und gänzlich unrealistische Steinstruktur. Deshalb benutze ich davonlediglich den Portalbogen. Dieser wird mit der Laubsäge ausgesägt und in eine entsprechend vorbereitete Kibri-Mauerplatte eingesetzt. Auch hier wird wieder mit dem Plastik-Spachtel nachgearbeitet. Auf diese Weise sind alle mehrgleisigen Portalkombinationen realisierbar. Eines sollten Sie dabei beachten:
Setzen Sie nicht mehr als zwei Portale auf die gleiche Front.
Leicht versetzte Portale wirken besser und natürlicher.
Modell eines Tunnelportals

Bahnhofsausfahrt in einen Berg mit ein- und zweigleisigen Portalen. Die seitlichen Portale sind aus optischen Gründen zurückversetzt.
Das zweigleisige Portal stammt von Faller. Die eingleisigen wurden aus Kibri-Mauerplatten hergestellt, in die der Portalbogen des eingleisigen Faller-Portals eingesetzt wurde.
Die Original-Portale wurden in der Höhe gekürzt und weisen jetzt für flach verlegte Gleise die richtige Höhe auf.

Wichtig!
Benutzen Sie keinesfalls für die Herstellung des Portalbogens die im Handel angebotenen Streifen.
Diese ergeben ein völlig vorbildwidriges Resultat.
Solche Tunnelbögen würden in Wirklichkeit sofort einstürzen.

Vollständiger Eigenbau

Für die Herstellung von Tunnelportalen im vollständigen Eigenbau benötigen wir gebrochene Steine in der richtigen Grösse. Zuerst schneiden wir unser Tunnelportal aus Holz aus. Beim Portalbogen müssen wir dabei die spätere Innenausmauerung berücksichtigen.
Jetzt beginnen wir mit dem "Mauern" unseres Tunnelportals. Die passenden Steinchen werden mit einer Schleifmaschine auf der Rückseite plan geschliffen und dann Stein um Stein auf unsere Holzvorlage aufgeklebt. Ist das Portal fertig gemauert, werden die Fugen mit dünnflüssigem Gips leicht aufgefüllt.
Eine etwas weniger aufwändige Variante ist die, dass man auf das Holz eine auf ca. 5mm ausgewallte, weiche Ton- oder Knetmassenschicht auflegt und die Steinchen in den Ton eindrückt. Auf diesem Weg erspart man sich das Abschleifen der Steine. (Dicke beim Bogenradius berücksichtigen!)
Da wir ja normalerweise mehr als ein Portal benötigen, lohnt es sich, von diesem Ur-Modell eine Silikonform herzustellen. Mit dieser können wir dann die benötigte Anzahl Gipsabgusse fabrizieren.
Die auf den Anlagen-Fotos gezeigten Gipsportale sind auf die erste Weise entstanden. Der Aufwand ist zwar sehr gross, aber der Ertrag ebenfalls.

Noch zwei Tips:

Und denken wir immer daran:

Das Vorbild ist der beste Lehrmeister!

Das Studium des Vorbildes in Wirklichkeit und auf Fotos ist deshalb das A und O der Modellbauerei.

Tunnel-Portale auf der Gotthardbahn

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