Die Zeit des Dampfbetriebes
Ab dem 1. Mai 1882 begannen die Einübungsfahrten für das Zug- und Lokpersonal auf der Nordrampe.
Bereits in der ersten Betriebsperiode zeigten sich in der Station Erstfeld verschiedene Mängel. Deshalb wurden zusätzliche Geleise für den Maschinen- und Materialdienst erstellt.
Im gleichen Jahr 1882 wurde die Frage der Hauptwerkstätte bei der Gotthardbahn-Gesellschaft aktuell, ein Entscheid fiel nicht, obwohl sich über zehn Standorte um die Vergabe bemüht hatten.
Vorgesehen wurden vorerst umfassende Vergrösserungen der Werkstätte in Bellinzona und der Ausbau der Werkstätte Erstfeld zu einer Filialwerkstätte, für kleinere Reparaturen an Lokomotiven.
Die Lokomotivremise erhielt deshalb einen Anbau und eine erweiterte Werkstätteneinrichtung. (14 Schraubstöcke, 1 Schmiedefeuer, 2 Feld- schmieden, 1 kleiner Drehbank, 1 kleine Bohrmaschine für Handbetrieb, eine Räderversenkvorrichtung)
Am 21. Oktober 1883 entschied die GB-Direktion, dass die Hauptreparaturwerkstätte auf der Alpensüdseite, in Bellinzona, und eine Nebenwerkstätte auf der Nordseite, in Erstfeld, zu bauen seien.
Erstfeld wurde also definitiv Nebenwerkstätte und die Arbeiten in der Depot-Werkstatt umfassten nun hauptsächlich laufende Reparaturen und den Unterhalt der Maschinen. Trotzdem wurden auch mehrere grössere Lokomotiv-Hauptrevisionen durchgeführt.
Das Stationsgebäude in Erstfeld 1882
Im Jahre 1884 wurde nördlich des Aufnahmegebäudes ein Bahndienstgebäude erstellt mit Unterkunftslokalen für das Lokomotiv- und Zugspersonal, einer Lampisterie und diversen Magazinen.
Nachdem die GB im vorigen Jahre einen grösseren Terrainbereich für die Vergrösserung der Werkstättenanlage erworben hatte, erweiterte sie im Jahre 1886 das Werkstättenplateau und erstellte an die südliche Remise einen 4-ständigen Remisenanbau für die Lokomotivreparatur.
Die Dampfschiebebühne des Depots Erstfeld
Gleichzeitig erstellte man einen weiteren Arbeiterabort.
Ebenfalls verlängerte man das Stumpengeleise am südlichen Ende des Bahnhofs zur Aufstellung eines ganzen Güterzuges.
Weiter wurde ein internes Telefonsystem eingerichtet.
Die Station erhielt eine Verriegelungsanlage für die Einfahrtsweichen. Ebenfalls wurde eine Trinkwasserleitung erstellt, welche zugleich als Reservewasserleitung für den Maschinendienst dienen sollte.
Aus dem Jahresbericht, Rubrik Unfälle:
Am 6. Nov. 1886 gerieth der Arbeiter Franz Zurfluh beim Manöver in Erstfeld zwischen zwei Puffer. Der Tod trat sofort ein.1887 wurde eine neue Wagenremise für 24 Personenwagen gebaut und das Geleise 4 wurde als Aufstellgeleise für Güterzüge um 195 m verlängert.
Bahnhof Erstfeld, mit der (Gasthaus-) Häuserzeile an der Gotthardstrasse
Im Jahre 1888 erstellte man beim Depot ein neues Bad-, Wasch- und Spritzenhaus. Vom Bahnhof wurde eine Wasserableitung in die Reuss gebaut. Ebenfalls baute man eine Brückenwaage ein.
Aus dem Jahresbericht, Rubrik Unfälle:
Am 3. Jan 1888 verunglückte in Erstfeld der 32 Jahre alte Werkstättenarbeiter Clemens Ehrler.
Im Jahre 1889 wurde im Bahnhof eine Brückenwaage ohne Geleiseunterbrechung eingebaut.
Im Depot wurde vor der nördlichen Lokomotivremise eine zweite Lokomotivdrehscheibe von 15 m Durchmesser samt Unterbau und Geleiseanlage eingebaut.
Gleichzeitig wurde die nördliche Giebelwand der Nord-Remise umgebaut und mit Toren zur direkten Einfahrt der Lokomotiven ausgestattet.
Die nördliche Plattform vor dem Depot Erstfeld mit der grossen und der kleinen Drehscheibe
An die südliche Remise wurde im selben Jahr ein Anbau für vier Lokomotivstände erstellt und die Fahrbahn für die Schiebebühne verlängert.
1890 wurde das Materialmagazin beim Bahnhof vergrössert, samt der Einrichtung von 5 Öl-Reservoirs, einem Kessel zum Talgsieden und mehreren Gestellen.
Aus dem Jahresbericht, Rubrik Unfälle:
Am 14. Juli 1890 wurde Maria Tschanz von Röthenbach durch den Zug 11 vor der Station Erstfeld überfahren und getötet. Aus der Untersuchung hat sich ergeben, dass die Verunglückte den Tod freiwillig gesucht hat.